Wir hatten mehrfach über die Opfer eines staatlichen Hackerangriffs auf Twitter berichtet, die eine E‑Mail bekamen, die sie über den Angriff informierte. Unterdessen hat sich eine ganze Reihe von Betroffenen angesammelt, derzeit sind auf der Liste 43 Personen.
Insgesamt dürften aber mehr Menschen betroffen sein, da sich aus naheliegenden Gründen nicht alle Opfer des Hackerangriffs in die Liste eingetragen haben oder sie von dem Hashtag #StateSponsoredActors vielleicht gar nichts mitbekommen haben. Wir können momentan von bestätigten 49 Personen ausgehen. Diejenigen davon, die öffentlich über die E‑Mail-Warnung gesprochen haben, haben wir uns näher angesehen.
Sind Aktivisten besonders betroffen?

Wir haben die Twitter-Angaben der Betroffenen durchgesehen, um ein wenig darüber rauszufinden, ob sich Muster finden lassen. Die Angaben sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn sie müssen ja nicht stimmen.
Wir haben geographische Angaben und die Reichweite betrachtet sowie die verwendeten Sprachen und ob der Account-Besitzer als Aktivist erkennbar ist. Nach Durchsicht der Twitter-Accounts ist das Ergebnis:
- 18 Accounts sind ohne Ortsangabe, 25 mit geographischen Angaben,
- 7 Sprachen wurden verwendet (englisch, italienisch, deutsch, französisch, hindi, spanisch, russisch),
- 28 sind als Aktivisten erkennbar, wenn man den Begriff weit auslegt,
- 29 haben wenig verbreitete Accounts (unter 1.000 Follower) und 13 mit mittlerer Anzahl an Followern (über 1.000)
sowie der weithin bekannte Account von @thegrugq (über 40.000 Follower).
Die angegebenen Orte sind (teilweise mehrfach) Berlin, Brüssel, Halle, Kingston, Lyon, Minneapolis, Paris, Seattle, Stuttgart, Toronto, Washington, Wien, Winnipeg sowie Ungarn, Deutschland, Südkorea, die Niederlande und die Schweiz als Staaten.
Über die Hälfte der Betroffenen geben von sich an, aktivistisch tätig zu sein, was wohl eine deutlich höhere Quote an Aktivisten als der Twitter-Schnitt sein dürfte. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass der staatliche Angreifer überwiegend Aktivisten als Ziel ausgewählt hat, die weitgehend aus westlichen Ländern stammen und denen man wohl nicht mehr zu erklären braucht, warum es sinnvoll ist, Twitter oder ähnliche Dienste über Tor zu nutzen. Insgesamt liegt ein politischer Hintergrund also nahe.
Sollte der staatliche Angreifer in den Vereinigten Staaten zu suchen sein, so wurde in der Vergangenheit in anderem Zusammenhang durchaus über Kooperationsbereitschaft von Twitter berichtet:
Twitter has been very cooperative, and that cooperation has grown.
Twitter hat aber bisher keine Angaben dazu gemacht, aus welchem Land die Angreifer stammen und inwiefern die Angriffe, auf die sich die Warnungen an die Nutzer beziehen, sicher staatlichen Stellen zuzuordnen sind. Aber dass sie dafür nicht mindestens handfeste Anhaltspunkte haben, ist ausgesprochen unwahrscheinlich. Denn dass die E‑Mail-Warnungen öffentlich werden, wird dem Twitter-Team klar gewesen sein. Da schießt man wohl nicht aus der Hüfte, wenn man sich nicht hinlänglich sicher ist.
Falls weitere Accounts dazukommen, bitte gern in den Kommentaren anmerken.
